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DAS SYSTEM PONZI

von David Lescot

Die Möglichkeit, auf den Verfall europäischer Währungen zu spekulieren, ist Ausgangspunkt für den kometenhaften Aufstieg und bodenlosen Absturz von Charles Ponzi. Der italienische US-Immigrant ist Lebemann und Studienabbrecher, Hochstapler und Kleinkrimineller, bevor er in Nordamerika zu einem der reichsten Männer und dem Verwalter eines exorbitanten Vermögens avanciert. Sein Erfolg gründet auf einem betrügerischen Finanzprodukt, das mit Gewinnversprechen von bis zu 50% in 45 Tagen die Anleger in Massen lockt. Und das System Ponzi funktioniert. Die Renditen schießen ins Unermessliche. Solange nicht alle Anleger gleichzeitig ihr Geld zurückhaben wollen. Schließlich treibt Ponzi sich und seine Kunden in den Ruin und bringt nationale Volkswirtschaften an den Rand des Abgrundes. Dabei lebt er ein rastloses, fiebriges Leben, in dem sich die extremen Gegenpole eines rigorosen, marktradikalen Kapitalismus – dekadenter Reichtum und erbärmliches, soziales Elend – in einer Person verdichten. Von seinem rasanten Aufstieg bis zu seinem tragischen Ende in einem brasilianischen Armenhaus ist es nur ein kleiner Schritt.

David Lescots System Ponzi ist eine atemlose, vielschichtige Textmontage zum zyklischen Auf und Ab des Kapitalismus und eine eindringliche Parabel auf die maßlose menschliche Profitgier. Es kreist um die historische Figur des Charles Ponzi, der es zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA mit Unterstützung der Presse und frei von moralischen Skrupeln innerhalb weniger Monate zum Millionär brachte. Noch heute ist der „Ponzi-Trick“ im anglo-amerikanischen Sprachraum die gebräuchliche Bezeichnung für Schneeballsysteme, bei denen die ersten mit dem Geld der letzten ausbezahlt werden.

Inszenierung, Bühne und Kostüme Boris C. Motzki

Dramaturgie: Reinar Ortmann

Regieassistenz: Marlene Anna Schäfer

mit István Vincze (Charles Ponzi) und Ronja Losert, Margit Schulte-Tigges, Tobias Gondolf, Simon Köslich, Hubert Schlemmer

 

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