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DIE ÄNGSTLICHEN UND DIE BRUTALEN

 von Nis-Momme Stockmann

Verstehst du – es ist egal,
er ist tot.
Es ist tot – Alles ist tot!

Nis-Momme Stockmann ist einer der eindringlichsten und ergreifendsten der jungen deutschen Dramatiker. Wo andere vorher abdrehen, geht er bewusst mitten hinein: in den Schmerz des Alltags, in die Absurdität des handelsüblichen Wahnsinns, in die jeder Beziehung und jeder Familie innewohnenden Sprengkraft der Gefühle. Und wie wenn einer in ein viel zu weiches Bett hüpft, so schlägt einem in Stockmanns Dramen alles über dem Kopf zusammen: Heiterkeit und Trauer, Scherz und Schmerz, Schuld und Sühne, ein Versinken dort, wo man mit Boden rechnete, kein Verlass mehr auf irgendetwas.

Stockmann ist radikal ehrlich in der dramatischen Schilderung von der existenziellen und emotionalen Abhängigkeit der Individuen voneinander: Das soziale Netz besteht in all seiner Gnadenlosigkeit bei ihm nahezu ausschließlich aus Verstrickungen. Gut und böse sind dabei längst keine Maßstäbe mehr, sondern seine Personen können bestenfalls nur noch funktionieren: gerade noch so eben oder eben schon nicht mehr.

Das kleine theater zeigt jetzt seine Schwarze Komödie "Die Ängstlichen und die Brutalen", sehenswert und faszinierend unterhaltsam schon allein wegen einer Situation, wie sie Samuel Beckett nicht schöner hinbekommen hätte: Zwei Brüder haben mit dem Umstand umzugehen, mit dem toten Vater in dessen Wohnung zu sein, eine Situation, an der sie grandios scheitern, weil sie nie ihre Verhältnisse zueinander geregelt bekommen haben. Jetzt stülpen sie ihr Inneres nach außen, aber es ist alles längst zu spät. Hier funktioniert keiner mehr. Ein grandioses Kammerspiel, in dem der Tod gerade noch die Rolle des Sidekick bekommt: Denn das Leben ist viel schlimmer!
Regie:           Boris C. Motzki
Bühne:          Anke Niehammer
Kostüme:      Julia Borchert
Dramaturgie: Maja Nemere
Regieassistenz: Mira Hildebrand
Technik: Jürgen Behl und Philip Degünther
 
Mit Julius Bornmann, Marcus Widmann und Rudi Knauss
 
Premiere am 25.01.2013 am kleinen theater kammerspiele landshut

 

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